Die Deutsch-Österreichische Strompreiszone
ist Geschichte
– und die Preise steigen

Die Deutsch-Österreichische Strompreiszone ist Geschichte – und die Preise steigen

01.Oktober 2018

Jahrelang hat die österreichische Energiewirtschaft, allen voran Verbund Chef Anzengruber, gegen die Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone gekämpft. Die Strompreise würden steigen, hieß es. Und andernorts wurde befürchtet, die Trennung würden neue alte Monopole entstehen lassen. Nun ist sie Realität.

Mit dem heutigen Tag sollen die 17,5 TWh Strom, die Österreich aus Deutschland jährlich importiert, durch einen künstlichen Engpass um die Hälfte gekürzt werden.

Und die Preise? Sie steigen, wie angekündigt. Doch ist das wirklich alles?

Die Trennung der Strompreiszone ändert am grundsätzlichen Problem nichts. Weiterhin findet der Strom aus der Nordsee seine Abnehmer im Süden Deutschlands nur über Umwege, da die Trassen im Land des Sauerkrauts fehlen. Allerdings kann Österreich vom durchaus lukrativen grenzüberschreitenden Handel nun nicht mehr in diesem Ausmaß profitiern. Über Sinn und Unsinn der Trennung wurde bereits jahrelang eingehend debattiert.

Rechtfertigt das aber die angekündigten oder bereits umgesetzten Preiserhöhungen der Salzburg AG, Wien Energie, EVN, Energie Burgenland und anderen?

Nun es ist wohl nur die halbe Wahrheit. Denn während die lange erwartete Strompreiszonentrennung wohl der Argumentation dienlich sein mag, sind andere Entwicklungen ebenso wirkmächtig. Zum einen haben die Maßnahmen der EU, den Emmissionshandel durch Verknappung der Zertfikate in die Gänge zu bringen, gewirkt. Die Zertifikate haben über den Sommer einen deutlichen Preisschub erlebt und tragen einen Teil zur Verteuerung bei.

Strompreiszonentrennung und Strombörsen

Zum anderen bringen die Auktionen an den Strombörsen seit Jahresbeginn sowohl im Day-Ahead-Handel als auch bei Langfristkontrakten immer neue Rekordhöhen. Es ist also mehr als nur die Strompreiszonentrennung, die den Preis derzeit treibt.

Für die Branche könnten die Nachrichten trotzdem schlechter sein, denn zumindest der Privatkunde betrachtet die Strompreise weit weniger skeptisch als es mancher Energiemanager vielleicht denkt. Zumindest zeigt das eine Reihe von Fokusgruppen, die wir im Rahmen energiewirtschaftlicher Veranstaltungen abgehalten haben. Problematischer dürfte die Situation für Industriekunden wie die Voest werden, doch diese sind zumeist mit langfristigen Verträgen ausgestattet.

Was bleibt ist, dass die Preise wieder nach oben gehen. Mit allen Vor- und Nachteilen.

 

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Quellen

Hintergrundinfos, Artikel und Statistiken zum Thema finden Sie hier:

Der Standard am 29. September 2018: "Warum der Strom jetzt teurer wird "
Wiener Zeitung am 28. September 2018: "Höhere Strompreise erwartet"
und "Preiswende beim Strom" vom 3. September 2018
Industrie Magazin, am 1. Oktober 2018 "Preishammer: Nach Strompreiszonentrennung steigt der Großhandelspreis um 3,2 Prozent"
Energie und Management (paid): "Preiszonen-Trennung Deutschland-Österreich vollzogen"

und eine Statistik zu "Börsenstrompreis am EPEX-Spotmarkt" (paid)