Rückblick Konferenz "Local Energy Communities & Speicher im Netzeinsatz"

Wenn die Energietage stattfinden, mitten im November, ist es mitunter schon einigermaßen kalt. Da ist es schön, wenn es eine Gemeinschaft gibt, die einen wärmt.

Local Energy Communities (LEC), Erneuerbare-Erzeugungs-Gemeinschaften (EEG), Citizens Energy Communities (CEC) oder auf Deutsch Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) wären solche Gemeinschaften. Zu Beginn stand Begriffsdefinition an. Welche Möglichkeiten werden EEGs und BEGs in Zukunft haben? Welche Einschränkungen werden definiert? Welche Rolle werden Energieversorger spielen können? Wer wird diese Gemeinschaften initiieren und organisieren? Welche Rolle spielen darin die EVUs und Netzbetreiber? Und sehen wir am Horizont Wirtschaftlichkeit für diese Systeme herannahen?

Wie so oft gibt es nur zum Teil Antworten. In Oberösterreich macht sich Dr. Johannes Reichl über Geschäftsmodelle und IT-Services für alle diese Gemeinschaften Gedanken. In der gleichen Gegend werden gewerbe- und industriegeführte Gemeinschaften angedacht. Dr. Steinmaurer lieferte dazu Ansätze. Dr. Marta Hodasz brachte den aktuellen Stand und Überlegungen zur Ausformung von EEG und BEG aus dem BMNT mit. Auch hier, und das wird Sie nicht überraschen, harrt, wie vielerorts in der Branche, alles auf die richtungsweisenden Vorgaben einer neuen Regierung. Mit keiner neuen, sondern einer alten Regierung, plagt sich dagegen Prof. Dr. Harald Schwarz. Denn ihn martert die Frage, wie die gesicherte Versorgung jener klassischen Energieträger wie Kernenergie, Gas und Kohle aussehen soll. Denn garantierte Versorgung zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit sind durch Erneuerbare nicht möglich. Woher werden also die Reservekapazitäten kommen?

 

Dipl.- Ing. Christian Reichel, Projektentwickler & Produktentwickler Erneuerbare Energien, Wien Energie

Dipl.- Ing. Christian Reichel, Projektentwickler & Produktentwickler Erneuerbare Energien, Wien Energie

Und dann ging es in die Praxis: Ein Viertel hier, ein Viertel da. In Wien kümmert sich Christian Reichel um das Viertel2, in dem jeder Haushalt 1 kWp an einer PV Anlage bezieht und darüber P2P mit anderen Bewohnern der des Viertels handeln kann. Weiter westlich versucht die IKB (Sophia Neuner) durch Sektorkopplung und Systemoptimierung die Herausforderungen von volatiler Erzeugung durch Erneuerbare Energien zu meistern. Es wird aber auch in kleineren Städten und Gemeinden an einer sinnvollen Energiewende für die Netze durch Speichereinsatz gearbeitet. Z.B. in Güssing (Philipp Novakovits), wo der Einsatz von Großspeichern zur Netzstabiliät aufgrund der schwachen Netzinfrastruktur ein großer Hoffnungsträger ist. Oder in Weiz (Rafael Bramreiter), wo die ganze Stadt zum Speicher werden soll und gleich 4 Projekte diesbezüglich laufen. Allen Projekten gemeinsam ist, dass Datenmanagement ein immens wichtiges Thema ist, und hierfür ist u.a. Dr. Wagner-Bruschek (d-fine) Experte. Im Burgenland und in Niederösterreich ist derweil die Frage, ob man durch Speicher auf den entsprechenden Märkten Geld verdienen kann, so wie die Energie von Spitzenlastzeit verschoben werden kann. Der Spoiler von Florian Mader lautet: Eine Amortisationszeit von rund 27 Jahren spricht nicht ganz für ein superwirtschaftliches Modell. Noch. Wenn die Investitionskosten für Speicher fallen, dann sieht die Sache anders aus. Oder aber die Förderungen, über die Martin Seidl (OeMAG) referierte, werden erhöht.

Eine Stufe über dem Verteilnetz machen sich die APG und das AIT Gedanken über die Gewährleistung der Systemstabilität. Johannes Kathan gab den Überblick über die Speicherprojekte quer durch Europa. Michaela Leonhardt, Ph.D. zeigte dann inwiefern Großspeicher in MW Größe für das Übertragungsnetz relevant sein könnten.

Und was fehlt in diesem Themenmix? Richtig! Das Thema e-Mobilität und die Relevanz dieser vielen tausenden Batterien für die Netzstabilität. Jonas Wussow (TU Braunschweig), Franz Angerer (Land NÖ) und Leonard Müller (Smatrics) brachten hier jeweils große Erfahrungen mit.

Kalt war es. Aber der imh Energiegemeinschaft wurde trotzdem warm ums Herz. Nicht nur weil der Andrang die Erwartungen übertraf, sondern auch, weil viele heiße Tipps und Erfahrungen weitergegeben wurden.

Es geht weiter mit der EPCON im Jahr 2020.
 

Mag. Sophia Neuner B.A., Stabsstelle Produktentwicklung und Innovation, IKB Innsbrucker Kommunalbetriebe AG

Mag. Sophia Neuner B.A., Stabsstelle Produktentwicklung und Innovation, IKB Innsbrucker Kommunalbetriebe AG

Fotos © Martin Jordan

Dr. DI Clemens Wagner-Bruschek, ERP, Senior Manager, d-fine Austria GmbH

Dr. DI Clemens Wagner-Bruschek, ERP, Senior Manager, d-fine Austria GmbH