Rückblick Fachkonferenz Modulbau


Plädoyer für die Digitalisierung.

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Achammer zitiert in seinem begeistert aufgenommenen Vortrag gleich zu Beginn Niklas Luhmann: Komplexität wird reduziert – durch Vertrauen. Und ergänzt dann: Die Digitalisierung schafft dieses nötige Vertrauen. Denn sie bedeutet den Zugang zur Information. Damit sind wir beim Thema BIM, das über seinem gesamten Vortrag schwebt. Sein Tenor: BIM verlangt eine neue Unternehmenskultur von den Beteiligten. Und: Die Chancen der Industrialisierung sieht er eher bei den Prozessen und weniger bei den Produkten.

Wohnen: Schweden ist nicht nur IKEA.

Die weltweit größte Fabrik für Wohnmodule steht in Schweden und gehört der Familie Lindbäck – im Bild unten: Miteigentümer und CEO Stefan Lindbäck. Alle 30 Minuten entsteht ein fertiges Wohnmodul. Die Größen sind variabel und reichen von 2,2m Länge und 2m Breite bis hin zu 10,8m Länge und 4,5m Breite. 500 Mitarbeiter (davon die Hälfte weiblich) erzielen einen Umsatz von 150 Mio. Euro.

Uber-Schicksal für die Bauwirtschaft?

„Wir müssen die Bauprozesse verändern. Allein schon weil die Qualität und die Zahl der Handwerker abnimmt.“ Bmstr. Dipl.-Ing. (FH) Professner, MBA betont: „Wir nützen die Chancen der Digitalisierung noch nicht. Wir bauen lauter Prototypen, produzieren immer Losgröße Eins.“ Für ihn ist klar: Agiere – oder get „Uberized“. Er betrachtet ein Gebäude als „Produkt“. Und er thematisiert noch einen Aspekt: „Um das Risiko, Kosten und CO2 zu reduzieren, müssen wir die Supply Chain früher einbeziehen.“

Univ.Prof. DI Dr. Christoph Achammer

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Christoph Achammer, CEO und Vorsitzender des Vorstandes, ATP architekten ingenieure

Stefan Lindbäck, CEO, Lindbäck Bygg

Stefan Lindbäck, CEO, Lindbäck Bygg

Bmstr.DI (FH) Harald Professner, MBA

Bmstr. Dipl.-Ing. (FH) Harald Professner, MBA, Global Business Development, Rhomberg Holding GmbH

Da fährt die Eisenbahn drüber.

Getzner war ursprünglich ein Textilunternehmen, das sich aber bereits früh diversifiziert hat. Seit Ender der 1970er Jahre fahren Züge über Getzner-Matten, damit Anrainer ruhiger schlafen können. Dieses Schallschutz Know-how fließt nun in den Wohnungsbau.  Dipl.-Ing. (FH) Reichelt M.Eng.: „Erhöhter Schallschutz ist erhöhter Komfort.“

Europa ist zu 90% gebaut.

Das große Thema der nächsten Jahre für Dipl.-Ing. Winter ist die Sanierung von Bestandsgebäuden: unter der Prämisse des Klimaschutzes. Sein Angebot nennt er Individualisierte Serienfertigung 4.0 – das meint: Die Verwendung von vorgefertigten Modulen aus individueller Serienfertigung.

Euro-500er als Baumaterial.

Der gelernte Architekt Fredy Iseli arbeitete 20 Jahre lang an einer Erfindung, die nun serienreif ist: die Produktion eines leichten, wabenförmigen Verbundstoffes aus recyceltem Papier. Diese Wellpappe wird „versteinert“ (mit Beton) und dann mit Holz „verkleidet“. Dadurch sind Stabilität und Haltbarkeit gesichert. Häuser aus Papier sind möglich, und er hat auch schon einige realisiert! Sein mit Augenzwinkern vorgetragener Vorschlag: Soll doch die EZB die nicht gewollten und schon gebrauchten 500-Euro Scheine ihm schicken. Er macht daraus Wohnbauten.

DI (FH) Hendrik Reichelt M.Eng., Projektmanager Holzbau, Getzner Werkstoffe

Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Reichelt M.Eng., Projektmanager Holzbau, Getzner Werkstoffe GmbH

DI Wolfgang Winter, CEO, winterface GmbH

Dipl.-Ing. Wolfgang Winter, CEO, wInterface GmbH

Fredy Iseli, Geschäftsführer, Ecocell Technology AG

Fredy Iseli, Geschäftsführer, Ecocell Technology AG

Raus damit.

„Alles, was nicht notwendig war, statisch oder bauphysikalisch, ist aus dem Konzept rausgeflogen“. Das Hauptziel beim vorgestellten Projekt war es, laut Dipl. Wirt.-Ing. (Bau) (FH) Steffens, die zweitbeste Lösung zu finden – die noch immer eine gute Lösung ist. Dieser Ansatz brachte die gewünschte Preisersparnis und genau die Qualität, für die der Nutzer bereit ist zu bezahlen.

Nullen am Bau.

„Wir wollen Projekte in Einsen und Nullen abbilden.“ Das ist der Anspruch von Arch. Mag. Sansakrit Strohal und seinem Team. Bei der Strabag arbeiten 70 Personen an der Digitalisierung und an BIM. „Bei BIM hängt der Erfolg zu 20 % an der Technologie – aber zu 80 % am Menschen und an den Prozessen“. Das hat jetzt und vor allem in Zukunft Auswirkungen auf die Führungskultur und die Organisationsstruktur. Hält BIM also, was es verspricht? Die Antwort lautet wohl: „noch nicht“.

Immer weiter, weiter, weiter …

„Man sieht schon, wie sich von Projekt zu Projekt die Dinge weiterentwickeln.“ So beschreibt Dipl.-Ing. Dr. techn. Woschitz seine Erfahrungen und insbesondere die Entwicklung beim HoHo Wien. Und mittlerweile weiß er: „Ja, das Lego Prinzip funktioniert.“ Und ergänzt: „Bei 84m Turm Höhe muss schon sehr genau gearbeitet werden…“ Der Holzbau ist bei diesem Projekt außen und innen ablesbar.

Trittfest.

„Wir suchen Pilot-Projekte – ab Herbst sind wir bereit.“ Harald Sauter sucht Partner. Er druckt sozusagen Pflastersteine, direkt vor Ort auf der Baustelle. Der dazu erfundene 3D-Drucker produziert aus Beton Pflastersteine, die auch Design-Charakter haben können: Farbe und Form nach Belieben – Betonteile in jeder gewünschten Form! Und das Ganze ohne Verschalung.
 

Dipl. Wirt.-Ing. (Bau) (FH) Frank Steffens

Dipl. Wirt.-Ing. (Bau) (FH) Frank Steffens, Geschäftsführer, Brüninghoff Unternehmensgruppe

Arch. Mag. Theodor Sansakrit Strohal

Mag. Arch. Theodor Sansakrit Strohal, Zentrale Technik, Gruppenleiter Digitalisierung und Softwareentwicklung (DS) – Digitalisation and Softwareengeneering, STRABAG AG 

Dipl.-Ing. Dr. techn. Richard Woschitz, MRICS

Dipl.-Ing. Dr. techn. Richard Woschitz MRICS, Geschäftsführer, Woschitz group GmbH

Harald Sauter, SWISS KRONO

Harald Sauter, Zimmermeister, SWISS KRONO GmbH

Hoch hinaus.

Björn Hiss stockt Parkdecks um ein ganzes Hotel auf: „Wir fangen dort an zu bauen, wo andere aufhören“. Sein Konzept: Bestehende Flächen am Dach können ideal mit Zimmer-Modulen bestückt werden. So entsteht ein Hotel am Dach: eines ist schon fertig. 151 Zimmer mitten in Berlin, in Top-Lage, auf dem Dach einer Einkaufszentrum-Parkgarage. Die Zimmer-Module sind voll funktionsfähig. Und: „Wir können dort nach ein paar Jahren wieder gehen und nehmen 90 % der Installationen einfach wieder mit.“

Forschungsprojekt TGA-Timber.

Dipl.-Ing. Pixner liefert einen Zwischenbericht zum aktuellen Stand des Aufsehen erregenden Forschungsprojektes. „Wir wollen weg von Prototypen, hin zu vordefinierten Lösungen.“ Die Schnittstellen-Matrix, die dieses Forschungsprojekt liefert, bietet allen Beteiligten die Grundlage für die Zusammenarbeit.

Von anderen lernen.

„Im Baubereich sind wir immer noch Low-Tech, im Vergleich zu anderen Branchen“, so Dipl.-Ing. Hückel. Sein Credo: lernen wir doch von anderen. Modularität ist in vielen Bereichen schon viel länger ein Thema und wird erfolgreich praktiziert. „Alle anderen Branchen haben uns in den letzten 25 Jahren bei der Automatisierung und Digitalisierung abgehängt.“ Es gibt viel zu tun, es gilt, viel aufzuholen.
 

Björn Hiss, MQ Real Estate GmbH

Björn Hiss, Geschäftsführer, MQ Real Estate GmbH, Berlin 

Dipl.-Ing. Tamir Pixner, MSc.

Dipl.-Ing. Tamir Pixner, MSc., Geschäftsführer, Timbatec Holzbauingenieure GmbH

Dipl.-Ing. Richard G. Hückel

Dipl.-Ing. Richard G. Hückel, Director – Head of Project Constructions + Building Regulations DGNB Consultant, REHAU Gruppe