Rückblick Forum Spital 2018

3. – 4. Oktober 2018, Schlosspark Mauerbach bei Wien
 


Das Forum Spital 2018 startete mit einer spannenden Fokusgruppe zum Thema „Was erwartet sich die Gesellschaft vom Gesundheitswesen“. 6 repräsentativ ausgewählte Personen sprachen über ihre Erfahrungen mit Spitalsaufenthalten, langen Wartezeiten, 2-Klassen-Medizin, Vertrauen und über Personalmangel im Krankenhaus.

Kritisch diskutiert wurden die Ansichten der Gesellschaft von Frau Dr. Julia Pitters (Pitters TRENDEXPERT), Herrn Dir. Dr. Gerald Fleisch (Geschäftsführer von der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsges.m.b.H.) und Herrn o.Univ.-Prof. Dr. Peter Husslein (Vorstand d. Universitätsklinik f. Frauenheilkunde, AKH – Medizinischer Universitätscampus). Klar wurde: es gibt einiges zu tun. Der Ausbau von Gruppenpraxen (Primary Health Care) wurde als eine Lösung für viele Probleme unseres Gesundheitssystem diskutiert.

Die Diskutanten mit dem Vorsitzenden und Moderator Mag. Christoph Varga (Foto: imh / Astrid Bartl)

Die Diskutanten mit dem Vorsitzenden und Moderator Mag. Christoph Varga – v.l.n.r.: Dir. Dr. Gerald Fleisch (Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsges.m.b.H.), Dr. Julia Pitters (Pitters TRENDEXPERT), Mag. Christoph Varga, (ORF Österreichischer Rundfunk GmbH), o.Univ.-Prof. Dr. Peter Husslein (Universitätsklinik f. Frauenheilkunde, AKH – Medizinischer Universitätscampus)

Es folgte Dr. Ernest G. Pichlbauer. Und wer Ernest Pichlbauer kennt, weiß: Um prägnante Aussagen ist der durch Funk, Fernsehen und Print bekannte Gesundheitsökonom nie verlegen. So bezeichnete er etwa Oberösterreich aufgrund seiner selbst in Österreich, dem Land in dem die Spitalskosten 60% über dem EU-Schnitt liegen, horrend hohen Kosten in diesem Bereich, als Failed State und die derzeit diskutierten Pläne zur Kassenreform als Türschildreform, die außer einem abzusehenden Klassenkampfverhalten von Arbeitnehmerseite, keinerlei signifikante Verbesserung bringt. Das System sei inneffizient, teuer und durchzogen von Veto-Playern, deren Reduzierung eigentlich die Aufgabe jeder Reform im österreichischen Gesundheitswesen sein sollte. Aber den Österreichern wurde über Jahrzehnte erzählt, das beste Gesundheitssystem der Welt zu haben ...

Dr. Ernest G. Pichlbauer, Gesundheitsökonom (Foto: imh / Astrid Bartl)

Dr. Ernest G. Pichlbauer (Gesundheitsökonom)

Die Teilnehmer folgten angeregt der Podiumsdiskussion (Foto: imh / Astrid Bartl)

Die Teilnehmer folgten angeregt der Podiumsdiskussion

Die hochkarätige Disussionsrunde (Foto: imh / Astrid Bartl)

Die hochkarätige Disussionsrunde v.l.n.r.: Dr. Alexander Biach (Hauptverband der Sozialversicherungsträger), Univ. Prof. Dr. KH. Tscheliessnigg (Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H.), Dr. Harald Mayer (Österreichische Ärztekammer), Mag. Christoph Varga (ORF Österreichischer Rundfunk GmbH), Ursula Frohner (Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband), Mag. Gabriele Jaksch (MTD-Austria Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Berufe Österreichs), Dr. Ernest Pichlbauer (Gesundheitsökonom)

Genug Provokation also, um eine angeregte Diskussion in hochkarätiger Besetzung zu gewährleisten. Diese aber gaben Dr. Pichlbauer zumindest zum Teil Recht. Dr. Harald Mayer von der österreichischen Ärztekammer würde gerne die kolportierte reformbedingt freiwerdende Milliarde den Patienten und der Ärzteschaft zukommen lassen. Der Vorstandsvorsitzende des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Dr. Alexander Biach, sieht diese Milliarde allerdings nicht, sondern eher den Entzug einer Milliarde Euro aus dem System. Mag. Gabriele Jacksch vom MTD-Austria Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Berufe Österreichs machte in einem Rekurs auf die frühmögliche Fokusgruppe darauf aufmerksam, dass Sparen auch anders gehen kann: Würde nur die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung erhöht, würde dies ungleich höhere Mittel als die hier diskutierten freisetzen. Doch der Streit ums Geld ist nicht der einzige Aufreger in der Diskussion. Aufregen kann nämlich auch, was nicht vorkommt. Präsidentin Ursula Frohner als Vertreterin der Österreichischen Gesundheits- und Pflegeberufe wurmt etwa, dass eben diese Berufe in der Reformdebatte überhaupt nicht vorkommen. Das schönste – oder soll man sagen traurigste? – Schlusswort sprach allerdings Univ. Prof. Dr. KH Tscheliessnig von der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft m.b.H., der da feststellte: „Wenn man über das System diskutiert, kommt das Wort ‚Patient‘ plötzlich gar nicht mehr vor.“

Ein wirklich spannender Vormittag ging so nicht ganz zeitgerecht zu Ende. Denn eigentlich endete die Debatte nicht mit dem Ruf zum Mittagstisch, sondern wurde auch in die nun startenden Fachkonferenzen mitgenommen.

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