Aktuelle Pressemitteilung

Weiterbildungsstudie: Mehr Budget nur für „Chefs“, Home-Office und digitale Lernformen für Mitarbeiter

Wien, 13.07.2021

Die aktuelle Studie der imh GmbH über den Stellenwert der beruflichen Aus- und Weiterbildung in österreichischen Unternehmen – der imh Weiterbildungsindex (WEBI) – wurde am 12. Juli 2021 im Rahmen einer online LIVE Präsentation vorgestellt. Manfred Hämmerle, Geschäftsführer der imh GmbH und Stefan Teufl, Bildungsexperte, interpretierten die Ergebnisse.

Manfred Hämmerle, Geschäftsführer der imh GmbH, im Eingangsstatement: „Sind die Bekenntnisse zur beruflichen Ausbildung in diesen Zeiten ernst gemeint? Zwar sagen 9 von 10, dass Weiterbildung wichtig ist. Aber gleichzeitig ist der WEBI auf dem niedrigsten Stand seit Erhebung; nämlich bei 45,2 Punkten vs. 53 im Jahr 2020 bzw. 56 im Jahr 2019. Und der WEBI misst, wie viel Zeit und Geld für Aus- und Weiterbildung zur Verfügung stehen. Im Jahr 2021 heißt das: So wenig wie noch nie. Noch 2015 war der WEBI bei 59 Punkten.“ Jedenfalls, so Hämmerle, sind die Chefs bei sich noch immer großzügig. Denn die eigenen Budgets werden nicht gekürzt. Die Chefs gönnen sich Zeit und Geld für ihre Aus- und Weiterbildungsinteressen. Die Mitarbeiter aber, so ein Ergebnis der Studie, werden kurz gehalten.

Stefan Teufl: „Meine These, warum Manager sich vermehrt weiterbilden wollen, hängt mit der „Professionalisierung von Management“ zusammen. Die Anforderungen an Führungskräfte steigen immer mehr an. Es gibt einfach den Bedarf, in die eigene Entwicklung zu investieren – auch und offenbar insbesondere bei Führungskräften.“ Immerhin, so Teufl, haben generell nur 2 % aller Befragten angegeben, gar keine Aus- und Weiterbildung zu besuchen. Ein erfreulich niedriger Wert.

imh Weiterbildungsindex (WEBI): Veränderung des Bildungsbudgets – Allgemein (Download Grafik)


Home-Office-Regelungen in Unternehmen: Das Menschenbild der Chefs und die Selbstbestimmungstheorie menschlichen Verhaltens

Stefan Teufl fand insbesondere die Werte zum Thema Home-Office spannend. Immerhin wollen nur knapp über 5 % der Mitarbeiter ausschließlich von zu Hause arbeiten; etwa 12 % dafür nur im Büro – für sie kommt Home-Office gar nicht in Frage. In den Detaildaten sieht man: Das sind hauptsächlich Geschäftsführer und Vorstände. Stefan Teufl: „Hier geht es um das Thema Vertrauen vs. Kontrolle. Und da spielt das Menschenbild der Führungskraft eine zentrale Rolle.“

Mitarbeiter wollen „hybrid“ arbeiten

Wenn es nach den Mitarbeitern geht, findet Arbeit jedenfalls in Zukunft zur Hälfte zu Hause statt: Mehr als 1/3 würde gerne 50 % oder mehr im Home-Office arbeiten. Generell ist die Einstellung zu Home-Office sehr positiv (86 %). Die Kombination der Arbeitsorte wird von 54 % als attraktiv empfunden. Die Werte untermauern grundsätzlich die Selbstbestimmungstheorie menschlichen Verhaltens; Hybrid zu arbeiten, so Teufl, passt zu den Grundbedürfnissen des Menschen.

imh Weiterbildungsindex (WEBI): Wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit möchten Sie im Home-Office verbringen? – Allgemein (Download Grafik)


Die Zukunft der Weiterbildung: „Zoom-fatigue“ verhindert mittelfristig nicht die Verschiebung von analog zu digital

Ein weiteres Thema der LIVE Diskussion zu den WEBI Studienergebnissen war die Frage, wie Aus- und Weiterbildung in 5 Jahren stattfindet. Hämmerle: „Jedenfalls mit einer deutlichen Stärkung von Online Produkten, wenn es nach den Studienergebnissen geht. Wir sehen eine Verschiebung von analogen Formen hin zu digitalen. Digitale Lernformate haben an Akzeptanz gewonnen. Meine Einschätzung ist: Digital wird bleiben, die Akzeptanz ist da.“ Teufl schließt sich an, bemerkt allerdings im Moment einen „Zoom-fatigue“-Effekt und sieht zumindest kurzzeitig einen Trend zur „Analogisierung“. Der Wunsch nach einem Gegenüber „aus Haut und Haaren“ ist derzeit einfach sehr groß.

imh Weiterbildungsindex (WEBI): Weiterbildung in 5 Jahren – Allgemein (Download Grafik)


Die Zukunft der Weiterbildung bringt die Kombination von klassischen bzw. analogen Weiterbildungsformen, mit einem eindeutigen Trend zu Online: nur 5,7 % (vs. 12,4 % im letzten Jahr) sehen auch noch in 5 Jahren ausschließlich klassische bzw. analoge Formate; jedoch 7,7 % (vs. 4,7 %) ausschließlich online bzw. digitale Formate. 81,6 % setzen auf die Kombination der beiden Formen.

Insbesondere kurze, wiederkehrende Online-Updates sind mit Abstand die beliebteste Weiterbildungsform in der Krise: 66,4 % bevorzugen dieses Format. Nur 31,3 % nehmen am liebsten ganztägige Online-Veranstaltungen in Anspruch. Immerhin noch fast ein Viertel, nämlich 23,7 %, bevorzugen trotz aller Einschränkungen die ganztägigen Präsenz-Veranstaltungen.

imh Weiterbildungsindex (WEBI): Bevorzugte Weiterbildungsformate in Zeiten des Home-Office (Download Grafik)


Der imh Weiterbildungsindex (WEBI)

Der imh Weiterbildungsindex (WEBI) misst jährlich die Bedeutung von beruflicher Aus- und Weiterbildung in Unternehmen. Befragt werden Vorstände, Geschäftsführer, Abteilungsleiter und Mitarbeiter aus österreichischen Unternehmen aller Branchen. Der imh Weiterbildungsindex (WEBI) 2021 hat den Wert 45,2 von 120 möglichen Punkten. Im Jahr 2020 betrug der Wert 53,0 Punkte nach 56,0 im Jahr 2019 (zum Vergleich: 2015 war der Wert bei 59,0). Die Bewertungskriterien sind der Stellenwert von Weiterbildung, die Anzahl der geplanten Veranstaltungsbesuche und die Veränderung des Bildungsbudgets. Jedes Jahr werden Zusatzfragen gestellt: Heuer zu praktischen Erfahrungen mit und Erwartungen an digitale Lernformen, insbesondere Online-Trainings. Ein weiteres Thema: Home-Office.

Die gesamten Befragungsergebnisse finden Sie unter www.imh.at/weiterbildungsindex


Pressekontakt:

Rosemarie Salcher, imh GmbH, Tel.: +43 (1) 891 59-332, E-Mail: rosemarie.salcher@imh.at

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